Kunststation Kleinsassen – Ausstellung Robert Kunec – Teresa Dietrich – Detlef Waschkau in Hofbieber-Kleinsassen, Rhön

Kunststation Kleinsassen – Ausstellung Robert Kunec – Teresa Dietrich – Detlef Waschkau
Hofbieber

Kunststation Kleinsassen – Ausstellung Robert Kunec – Teresa Dietrich – Detlef Waschkau

  • Detlef Waschkau – In the Cities Foto: © Kunststation Kleinsassen
  • Robert Kunec – Neanderthaler Foto: © Kunststation Kleinsassen
  • Teresa Dietrich – Unterwegs Foto: © Kunststation Kleinsassen

SONNTAG, 01.09.2019

bis

SONNTAG, 24.11.2019

Veranstalter:

Kunststation Kleinsassen
Tel.: 066578002

Veranstaltungsort:

Kunststation Kleinsassen
An der Milseburg 2
36145 Hofbieber-Kleinsassen

Kunststation Kleinsassen – Ausstellung Robert Kunec – Teresa Dietrich – Detlef Waschkau

Robert Kunec – Dominium terrae

Im Winter 2017/2018 überraschte Robert Kunec bei der Wettbewerbsausstellung „SIE und ER – WER sind WIR?“ mit seiner tiefgründigen Arbeit „Kollateralschaden“ und gewann den Jury-Preis. Jetzt kehrt der Bildhauer, der 1978 in der Slowakei geboren wurde und seit seinem Studium in Halle an der Saale lebt und arbeitet, mit einer eigens für die Kunststation konzipierten, begehbaren Rauminstallation zurück.

„Dominium terrae“ („Herrschaft der Welt“) greift auf ein wirkungsgeschichtlich bedeutendes Motiv des Alten Testamentes zurück: auf den Auftrag Gottes an den Menschen, sich zu vermehren, die Erde zu füllen und sich untertan zu machen. In einem virtuellen Haus werden Wohn- und Schlafräume, Küche und Bad mit Arbeiten besetzt, die als Metaphern fungieren und mit deren Hilfe sich der Künstler tief forschend und höchst komplex mit den existentiellen Themen von Zuhause und Familie, Flucht und Heimat, Beziehung, Krieg und Gewalt auseinandersetzt und seine Erkenntnisse dem Betrachter mitteilen will. Zwei aus Ton geschaffene Figuren – mithin Personifikationen zweier Welten – treffen hier aufeinander und berühren sich: der Homo Sapiens und der Homo Neanderthalensis. „Denn diese beiden Spezies sind in uns und bestimmen unsere Verhaltensweise“, wie Kunec erläutert. „Im Angesicht der heutigen Situation, der Flucht und Migration vergessen wir, woher wir stammen – nämlich aus Afrika.

Neanderthaler, Installation (2018)

Und der Vermischung mit dem Neanderthaler verdanken wir unsere weiße Haut. „Kunec überdenkt auch den Ursprung von Materie und die Ambivalenz von segensreichem Kraftakt und zerstörerischer Gewalt und findet auch hierfür ausdrucksstarke, installative Bilder. Kernstück des gedankenreichen Konzeptes ist jedoch ein altargleich aufgebautes Ehebett mit Flügeln, die sich wie ein Buch öffnen, in das das Leben schreibt – die Geschichte des „Dominium terrae“, „der Herrschaft der Erde“.

Teresa Dietrich – Unterwegs

Wen würde es nicht berühren, wenn Sonnenlicht eine Kirche oder einen Kreuzgang durchdringt, wenn sich von den Fenstern Lichtdreiecke in die Architektur hineinschieben, wenn Schattenlinien und -flächen auf Wand und Boden „zeichnen“ und wenn Licht und Schatten zugleich ein neues transzendentes Gebilde ungekannter Farb- und Tonflächen schaffen?

Die Malerin Teresa Dietrich, 1953 in München geboren und seit vielen Jahren in Fulda heimisch, hat solche überwältigenden Eindrücke aus dem Kloster Steinfeld (Eifel) in sich aufgenommen und Mitte der 1990er Jahre mit Ölfarben auf die Leinwand gebannt. Es waren keine realistischen Wiedergaben der Gebäude, sondern das ausschnitthafte faszinierende Zusammenspiel von architektonischen Elementen mit Licht und Schatten. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass alles sich zu einer Textur geometrischer Formen verbindet und Aspekte der Perspektive und Räumlichkeit zurücktreten.

Bei der Ölmalerei blieb es nicht, vielmehr erschafft Teresa Dietrich seither in akribisch durchstrukturierten Collagen, was sich ihr unterwegs in Stadträumen und angesichts architektonischer Konstruktionen offenbart. Oft basieren ihre Arbeiten auf Papierausdrucken eigener Fotoaufnahmen, die in aller Welt entstanden. Hinzukommen andere zurechtgeschnittene Papiere und geeignete Materialien, von denen sie eine üppige Sammlung in unterschiedlichen Stärken, Qualitäten und Färbungen zusammengetragen hat. Mit großer Sensibilität für alles Konstruktive, für Proportionen und für Farbwerte bildet sie immer wieder neue rhythmische Ordnungen von Horizontalen und Vertikalen, von Parallelen und Diagonalen, verkantet, rastert, baut Spannungen auf oder beruhigt wieder im Gleichmaß. Dabei ist den Collagen von ihrem geschichteten Aufbau her ein Minimum an „Räumlichkeit“ und „Plastizität“ eigen, an dem sich wiederum Licht und Schatten in feinen Nuancen bilden. Teresa Dietrichs Arbeiten zeugen von einer Empfänglichkeit für besondere Struktur- und Farbreize, die selbst von an sich „unschönen“ Stellen ausgehen können. So befasst sich die Künstlerin neuerdings mit Bodenbelägen und vor allem mit den Orten, an denen die Homogenität gebrochen ist: Ausflickungen, Erneuerungen, Stoßbereiche unterschiedlicher Materialien, Unterbrechungen und Markierungen. Und sie schöpft daraus Anregungen zu ganz neuen Arbeiten für ihre Ausstellung in der Kunststation. Scheinbar allem Konstruktiven zum Trotz: Teresa Dietrichs Werkreihen sind immer Anregungen aus ihrem Leben – und Ergebnisse von „unterwegs“.

Detlef Waschkau – In the Cities

Einen ungewöhnlichen Spaziergang durch die Metropolen Europas, Chinas, Japans und der USA verspricht die Ausstellung des Bildhauers und Malers Detlef Waschkau (geb. 1961 in Hannover, lebt und arbeitet in Berlin), der in seinen einprägsamen Werken beide Genres unzertrennlich miteinander verbindet.

Er verwendet Schichtholzplatten aus weichem Pappelholz, die er zuerst mit Farben frei bemalt. Entsprechend seinem Motiv, das häufig auf Fotografien von seinen weiten Reisen basiert, nimmt er dann eine Rasterung der Bildfläche vor und bearbeitet sukzessive die Felder mit dem Beitel zu Reliefs. Dabei wird die ursprüngliche Farbschicht eliminiert, neue Übermalungen bzw. Kolorierungen folgen nach und verschwinden teilweise wieder mit den bildhauerischen Nacharbeiten. Analog dazu entstehen Arbeiten auf und mit speziellem Papier und neuerdings wieder freistehende Skulpturen nach entsprechenden Gestaltungsprinzipien.

Im engsten handwerklichen und kompositionellen Bezug von Reliefarbeit und Malerei formieren sich vornehmlich Wandbilder, die von Stadträumen erzählen und von den Menschen, die sich dort aufhalten und bewegen. Die Rasterung erweist sich als Ordnungsprinzip der Bildfindung und -entwicklung, spiegelt aber letztlich auch unsere Lebenswirklichkeit in den Großstädten, geprägt von den Rastern der Bebauung und Freizeitanlagen, der Verkehrswege, der Wohnungseinheiten und -einrichtungen bis hin zu normierten Verpackungen im Alltagsgebrauch. Waschkau vermag so adäquat Stadtzusammenhänge zu schildern, aber auch besondere Bauwerke oder Denkmäler herauszustellen, ja sogar Menschen und bestimmte Personen zu charakterisieren – in ihrem jeweils besonderen Kontext „in the cities“.

 


Alle Preise verstehen sich als Bruttopreise inklusive Mehrwertsteuer.

SONNTAG, 01.09.2019

bis

SONNTAG, 24.11.2019

Veranstalter:

Kunststation Kleinsassen
Tel.: 066578002

Veranstaltungsort:

Kunststation Kleinsassen
An der Milseburg 2
36145 Hofbieber-Kleinsassen